IPv6 – Einfache Grundlagen

Ein wichtiges Thema meiner letzten Prüfung war IPv6. Immer wieder auf die lange Bank geschoben, war ich nun gezwungen, mich intensiv mit diesem Thema  auseinanderzusetzen. Und das war gut so.

Dieser Artikel soll nur einen kurzen Überblick all Jenen bieten, die sich bisher mit IPv6 noch nie beschäftigt haben.

Für Unternehmensnetzwerke ist der Umstieg von IPv4 auf IPv6 aufgrund wichtiger technologischer und wirtschaftlicher Faktoren nötig geworden.

Das enorme Wachstum des Internets lässt den vorhandenen Adressraum öffentlicher IPv4 immer enger werden. IPv4 stellt gerade mal 4,3 Milliarden möglicher Adressen zur Verfügung. Klingt zunächst äußerst exorbitant. Vor etwa 2o Jahren dachte wohl kaum jemand darüber nach, dass dieser Adressraum jemals aufgebraucht sein würde. Wer hätte auch gedacht, dass das Internet sich eines Tages so rasend schnell weltweit verbreiten würde. Dazu kommt das starke Anwachsen mobiler IP-Geräte

Wie auch immer, als die Experten die ersten Befürchtungen dahingehend äußerten, suchte man fieberhaft nach einer Lösung. NAT (Network Address Trans-lation) wurde „geboren“. Eine Technologie, die mehrere private Adressen (Intranetadressen) normalerweise einer einzigen öffentlichen Adresse (Internetadresse) zuordnet. Allerdings war es klar, dass es sich hierbei nur um eine temporäre Lösung handeln konnte. Aber man gewann Zeit.

Die Entwicklung von IPv6 kam ins Rollen. Statt 32 Bit-Adressen –wie von IPv4 verwendet- benutzt IPv6 128 Bit-Adressen.  Anders ausgedrückt: Der IPv6 Adressraum stellt 2 128  oder 340 Sextillionen Adressen zur Verfügung. Im direkten Vergleich wirkt somit der Adressraum von IPv4 geradezu kümmerlich.

Aber IPv6 bietet noch weitaus mehr Vorteile, als nur den vergrößerten Adressraum. Integriertes QoS (Quality of Service), verbessertes Routing und vor allen Dingen höhere Sicherheit. Da IPsec bei IPv6 fest über die Extension Header integriert ist,  relativiert sich die oftmals komplexe und schwierige Konfiguration von IPsec.

Grundlagen von IPv6-Adresstypen

IPv6 unterstützt drei unterschiedliche Adresstypen:

Unicast: Eine einzelne Schnittstelle innerhalb des Gültigkeitsbereichs der Adresse. (Der Gültig-

keitsbereich einer IPv6-Adresse ist der Teil Ihres Netzwerks, in dem diese Adresse eindeutig ist.)

IPv6-Pakete mit Unicastzieladressen werden an eine einzelne Schnittstelle ausgeliefert.

Multicast: Identifiziert keine oder mehr Schnittstellen. IPv6-Pakete mit Multicastzieladressen werden an alle Schnittstellen ausgeliefert, die diese Adresse annehmen. Im Prinzip, funktionieren diese genau wie in IPv4.

Anycast: Identifiziert mehrere Schnittstellen. IPv6-Pakete mit Anycastzieladressen werden an die nächstliegende Schnittstelle ausgeliefert, die durch die Adresse identifiziert wird. Anycastadressen werden (zur Zeit) nur Routern zugewiesen und sie können nur Zieladressen repräsentieren.

Globale, Verbindungslokale und eindeutige lokale Adressen

Wer sich bisher mit IPv4 eingehend beschäftigt hat, der sollte Folgendes immer im Hinterstübchen bewahren.

Globale Adressen, sind das Gegenstück zu öffentlichen IPv4 Adressen.  Adresspräfix::/3

Verbindungslokale  Adressen entsprechen APIPA-Adressen.

Eindeutige lokale Adressen entsprechen den privaten IPv4-Adressen. (10.0.0.0/8, 172.16.0.0./12, 192.168.0.0/16)

Loopbackadresse IPv4 (127.0.0.1), IPv6 (::1)

Wer sich nun intensiver mit IPv6 beschäftigen möchte, findet hier weitere, tiefergehende Informationen.

© Torsten Merz 2012