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Dirk Jarzyna – IPv6 – Das Praxisbuch (Rezension)

Wer sich auch nur im Ansatz mit dem Themen Netzwerke, Netzwerkprotokolle (TCP/IP), Netzwerktechnik und Datenkommunikation beschäftigt,  kommt über kurz oder lang nicht daran vorbei, sich mit dem IPv6-Protokoll zu beschäftigen. Fachliteratur dahingehend gibt es mittlerweile im Überfluss. Für mich war es deshalb aus beruflichen Gründen wichtig, ein kompaktes und übersichtliches Praxisbuch zur Hand zu haben, welches sich im alltäglichen Gebrauch als Nachschlagwerk eignet. Leider verspricht der Titel bei vorliegendem Werk mehr als er zu halten vermag. Für erfahrene Admins bzw. Netzwerkspezialisten eher ungeeignet. Für den Einsteiger jedoch empfehlenswert, da auch das IPv4-Protokoll sehr ausführlich behandelt wird.

Warum aber überhaupt IPv6? Dem an Netzwerktechnik Interessiertem Anwender möchte ich einen kurzen Grundlagen Überblick über das „neue“ Protokoll  vermitteln.  Profis können die nächsten Absätze getrost überspringen.

Weshalb IPv6?

Für Unternehmensnetzwerke ist der Umstieg von IPv4 auf IPv6 aufgrund wichtiger technologischer und wirtschaftlicher Faktoren nötig geworden. Das enorme Wachstum des Internets lässt den vorhandenen Adressraum öffentlicher IPv4 immer enger werden. IPv4 stellt gerade mal 4,3 Milliarden möglicher Adressen zur Verfügung. Klingt zunächst äußerst exorbitant. Vor etwa 2o Jahren dachte wohl kaum jemand darüber nach, dass dieser Adressraum jemals aufgebraucht sein würde. Ich für meinen Teil jedenfalls nicht. Wer hätte auch gedacht, dass das Internet sich eines Tages so rasend schnell weltweit verbreiten würde. Dazu kommt das starke Anwachsen mobiler IP-Geräte.

Wie auch immer, als die Experten die ersten Befürchtungen dahingehend äußerten, suchte man fieberhaft nach einer Lösung. NAT (Network Address Translation) wurde „geboren“. Eine Technologie, die mehrere private Adressen (Intranetadressen) normalerweise einer einzigen öffentlichen Adresse (Internetadresse) zuordnet. Allerdings war es klar, dass es sich hierbei nur um eine temporäre Lösung handeln konnte. Aber man gewann Zeit.

Die Entwicklung von IPv6 kam ins Rollen. Statt 32 Bit-Adressen –wie von IPv4 verwendet- benutzt IPv6 128 Bit-Adressen.  Anders ausgedrückt: Der IPv6 Adressraum stellt 2 128  oder 340 Sextillionen Adressen zur Verfügung. Im direkten Vergleich wirkt somit der Adressraum von IPv4 geradezu kümmerlich.

Aber IPv6 bietet noch weitaus mehr Vorteile, als nur den vergrößerten Adressraum. Integriertes QoS (Quality of Service), verbessertes Routing und vor allen Dingen höhere Sicherheit. Da IPsec bei IPv6 fest über die Extension Header integriert ist,  relativiert sich die oftmals komplexe und schwierige Konfiguration von IPsec.

IPv6 unterstützt drei unterschiedliche Adresstypen

Unicast: Eine einzelne Schnittstelle innerhalb des Gültigkeitsbereichs der Adresse. (Der Gültigkeitsbereich einer IPv6-Adresse ist der Teil Ihres Netzwerks, in dem diese Adresse eindeutig ist.) IPv6-Pakete mit Unicastzieladressen werden an eine einzelne Schnittstelle ausgeliefert.

Multicast: Identifiziert keine oder mehr Schnittstellen. IPv6-Pakete mit Multicastzieladressen werden an alle Schnittstellen ausgeliefert, die diese Adresse annehmen. Im Prinzip, funktionieren diese genau wie in IPv4.

Anycast: Identifiziert mehrere Schnittstellen. IPv6-Pakete mit Anycastzieladressen werden an die nächstliegende Schnittstelle ausgeliefert, die durch die Adresse identifiziert wird. Anycastadressen werden (zurzeit) nur Routern zugewiesen und sie können nur Zieladressen repräsentieren.

Dies also nur zum allgemeinen Verständnis.

Zurück zum Buch

Da ich das Buch online bestellt hatte (24,95€) und leider vor dem Kauf nur einen bescheidenen Auszug aus dem Inhalt einsehen konnte, verließ ich mich letztendlich auf den Titel und den Autor, von dem ich bisher einige Bücher mein eigen nenne. Wie schon Eingangs erwähnt, lässt der Titel ganz klar vermuten, dass das Thema IPv6 Hauptthema des Buches ist. Fakt ist jedoch, dass sich die ersten 120 Seiten dieses Buches mit Grundlagen zu IPv4 und Routing beschäftigen. Erst die restlichen 110 Seiten haben etwas mit IPv6 zu tun. Ein Praxisbuch stelle ich mir anders vor. Hier ist fast alles reine Theorie. Über die Hälfte des Buches wird somit für einen erfahrenen Netzwerk Administrator uninteressant, da es sich um grundlegendes Wissen für Einsteiger handelt.

Aus dem Inhalt

–          Das TCP/IP- und OSI-Netzwerk

–          Routing und IP-Adressierung

–          TCP/IP-Transport

–          Subnetting

–          Routing

–          Network Adress Translation

–          IPv6-Adressen

–          Adresskonfiguration

–          IPv6-Routing

–          IPv6-Optionen für den Übergang

–          IPv6-Campus-Deployement

–          Netzwerkmanagement

–          Sicherheit

Wie man nun dieser Inhaltsliste unschwer entnehmen kann, werden all diese Themen auf 245 Seiten abgehandelt. Dass die Informationen dabei sehr oberflächlich gehalten sind, bleibt somit nicht aus.  IPv6 wird erst ab Kapitel 2 thematisiert. Knapp die Hälfte des Buches. Ärgerlich, wenn man sich dieses Werk nur auf Grund dieser Thematik zugelegt hat. Fortgeschrittenen und Profis in Sachen IT / Netzwerktechnik rate ich also von einem Kauf ab.

Wäre da nicht der blendende Titel der lediglich auf die zweite Hälfte des Buchs zutrifft, dann sähe die Sache ganz anders aus. Unter dem Aspekt betrachtet, dass Einsteiger und/oder zukünftige Server Administratoren hier ein solides Grundwissen vermittelt bekommen, würde ich eine Kaufempfehlung aussprechen. Denn um ein schlechtes Fachbuch handelt es sich hier nicht. Ganz im Gegenteil. Der Autor führt den interessierten Neuling langsam Stück für Stück an die Materie heran. Zahlreiche Illustrationen runden das Ganze ab und am Ende eines jeden Kapitels gibt es sogar einen kleinen Selbsttest um das Erlernte zu überprüfen.

Fazit: Wer schon immer wissen wollte was es mit IPv4 / IPv6 auf sich hat, wie ein DHCP-Server arbeitet, OSI, TCP/IP verstehen möchte und sich für Routing und IP-Adressierung interessiert, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Und das zu einem vernünftigen Preis.

Profis sollten die Finger davon lassen. Es gibt weitaus bessere Alternativen. Und Autor und Verlag sollten sich in Zukunft mehr Gedanken über den Titel eines solchen Fachbuchs machen. Mich persönlich ärgert dieser Fehlkauf und hinterlässt einen etwas bitteren Beigeschmack was die Verlagspolitik betrifft. Sicher, hätte ich mir die Mühe gemacht und hätte einen Fachhandel aufgesucht, dann hätte ich sehr schnell festgestellt, dass ich mir diese Anschaffung sparen kann. Einsteigern kann ich jedoch, wie schon erwähnt, dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

© Torsten Merz 2012

 

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James Gleick Die Information – (Rezension)

Die Information

 

Geschichte, Theorie, Flut

Information, ein geläufiger Begriff. Nicht immer einfach, diese „Variable“  mit sinnvollem Inhalt zu füllen. Gerade in der heutigen Zeit. Eigentlich sehr widersprüchlich, leben wir doch in einer modernen Informationsgesellschaft und dank ausgefeilter Techniken verfügen wir auch über die Möglichkeiten,  unsere Informationen weltweit zu verbreiten.  

Durch diese technischen Errungenschaften wird der Begriff der Information zum Teil neu definiert. Ein Informationschaos ist zugleich die Folge. Um nicht in dieser Flut von Informationen zu ertrinken, bedarf es einer sinnvollen Ordnung und Verwaltung. Im Vordergrund steht dabei natürlich die Analyse. Das klingt bis hierher sehr trocken und verwirrend. Langweilige Information eben?

Information beherrschen

Der Autor, Wissenschaftsjournalist und Harvard-Absolvent James Gleick beherrscht eindeutig die wichtigen Grundlagen der Information. Sprache, Kommunikation, Logik und Informatik. Er nimmt den Leser mit auf eine Exkursion die zurückreicht bis zu der Zeit, als „sprechende“ Trommeln oder Rauchzeichen Informationen verbreiteten bzw. zum Austausch derer dienten. Diesen Zeitraum zwischen scheinbar verwirrenden Lauten und unserer schnell getakteten Kommunikation beleuchtet Gleick in seinem monumentalen Werk. Hoffnungen und Ängste gehen –und sie tun es noch immer- mit jeder neuen Technologie einher. Als sich zum Beispiel 1830 die Telegrafie durchsetzte, zeigten sich viele Menschen von dieser Technologie begeistert. Andere bangten wiederum um das Überleben der Zeitungen. Beispiele dahingehend gibt es zur Genüge.

Sprache transformieren

Bereits die Schrift formt das Denken, heißt es an einer Stelle im Buch. Umso beängstigender die Vorstellung eines grammatikalischen Supergaus, wie er uns in absehbarer Zeit bevorstehen könnte, wenn Bildung innerhalb vieler Familien nicht wieder an Wert gewinnt. Internet, Druckerpresse, Telegraf und Telefon sind einige der wichtigen Schlagwörter in Gleicks Werk. Sprache wird auf unterschiedliche Weise transformiert Respektive übermittelt. Information als Kernstück unserer heutigen Zivilisation. Eine höchst interessante und spannende Reise durch die Geschichte der Information.

Fazit:

Gleicks Werk eignet sich sicher kaum als Urlaubslektüre und lässt sich auch nicht an ein oder zwei gemütlichen Nachmittagen lesen. Vielmehr wird die ganze Aufmerksamkeit des Lesers gefordert.

Dabei bleibt die Sprache des Autors jedoch immer klar und leicht verständlich. Er erschlägt den Leser nicht mit Informationen trotz der Komplexität des Themas. Es ist die hohe Kunst der Mitteilung  die im Kollektiv verstanden und sinnvoll verarbeitet werden kann. Es ist ein Genuss in seinem Werk zu schmökern, und man möchte das Buch nicht mehr zur Seite legen. Man möchte dieses literarische Werk geradezu mit Hilfe von Superlativen loben. Aber das wäre schon wieder überfrachtete Information mit wenig Gehalt.

Unbedingt lesen!

© Torsten Merz 2012

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